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Klinikschließungen im Saarland und im Ruhrgebiet

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Klinikschließungen im Saarland und im Ruhrgebiet

Katholische Krankenhauskonzentration
Wir sind es wert Pascal Klein Klinikschließungen im Saarland und im Ruhrgebiet  – Katholische Krankenhauskonzentration

 
Standorte stilllegen und zentralisieren – trotz der Erfahrungen in der Pandemie scheint dies auch das Motto konfessioneller Klinikbetreiber zu sein. So hat die katholische Caritas-Trägergesellschaft Saarbrücken (cts) angekündigt, das Dudweiler Krankenhaus St. Josef bis 2025 zu schließen und die Leistungen an ihren Standort in Rastpfuhl zu verlagern. Daran entzündet sich ebenso Kritik wie an der Schließung des Marienhospitals und des St. Vincenz Krankenhauses im Norden der Ruhrgebietsstadt Essen durch die katholischen Contilia-Gruppe.

Von den Menschen im Saarbrücker Stadtteil Dudweiler wird das Krankenhaus St. Josef liebevoll »Kloschder« genannt. Noch 2010 war es für 14 Millionen Euro aus- und umgebaut worden, doch jetzt will die Caritas-Trägergesellschaft den Standort schließen. Die Saarbrücker Stadtverwaltung reagierte überrascht und verärgert auf diese »sehr kurzfristige« Ankündigung. »Das Krankenhaussterben geht weiter«, kommentierte der ver.di-Pflegebeauftragte für Rheinland-Pfalz und das Saarland, Michael Quetting. »Stumm und überrascht steht die herrschende Politik dabei, wenn Krankenhausträger Häuser schließen und Betten kurzerhand in andere Krankenhäuser verlegen. Sie zucken mit den Schultern und klagen darüber, dass man ja nichts machen könne.« Dabei oblägen solche Entscheidungen dem Gesetzgeber »und nicht der Willkür eines katholischen Trägers«. Quetting betonte: »Eine bedarfsorientierte Versorgungssteuerung verlangt nach demokratischer Mitwirkung. Die Krankenhäuser gehören der Bevölkerung und nicht den neoliberalen Marktstrategen.« Er erwarte, dass das saarländische Gesundheitsministerium der Caritas-Trägergesellschaft »auf die Finger klopft«.

Ebenfalls großen Unmut auf sich gezogen hat die katholische Contilia-Gruppe, die mitten in der Corona-Pandemie hunderte Krankenhausbetten im Essener Norden abgebaut hat. Dass von den einstmals drei Contilia-Häusern nur noch eins übrig ist, habe »eine gefährliche Versorgungslücke« in den verarmten nördlichen Stadtteilen der Ruhrgebietsstadt hinterlassen, kritisiert die Ergotherapeutin Jutta Markowski, die sich in der Initiative »KrankenhausEntscheid Essen – Krankenhäuser retten, Versorgung sichern« engagiert. Der Weiterbetrieb des Marienhospitals und des St. Vincenz Krankenhauses sei für Contilia offenbar »nicht profitabel genug« gewesen.

»Wenn es einem Krankenhausbetreiber nur um betriebswirtschaftliche Kennziffern geht, ist daran gar nichts mehr christlich«, findet Markowski. Beim diesjährigen Karneval, den die Aktivist*innen des »KrankenhausEntscheids« zum Protest gegen Klinikschließungen umfunktionierten, wurde daher nicht nur dem Essener Oberbürgermeister, sondern auch dem Ruhrbischof und einem Aufsichtsratsmitglied von Contilia der Narrenspiegel vorgehalten: Sie wurden als »die drei Coronas« per Autokorso durch den Stadtteil gefahren. »Wir wollten die Verantwortlichen benennen«, erläutert Markowski. »Und dazu gehört ganz klar die katholische Contilia-Gruppe. Jetzt machen wir mit dem Bürgerentscheid Druck dafür, dass die Stadt einspringt und die Gesundheitsversorgung im Essener Norden sichert. Denn der konfessionelle Träger ist dazu offensichtlich nicht bereit.«