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Brauchen wir eine Pflegekammer?

Pflegekammer

Brauchen wir eine Pflegekammer?

ver.dis Kammertöne (01/2017): Informationen zur Pflegekammer in NRW
Brauchen wir eine Pflegekammer? ver.di ver.dis Kammertöne (01/2017)  – Brauchen wir eine Pflegekammer?


ver.di vertritt uns in Krankenhäusern, psychiatrischen Einrichtungen und der Altenpflege.

Tarifverträge gibt es nur mit Gewerkschaften
In allen Betrieben, die einen Tarifvertrag haben, verhandelt ver.di mit den Arbeitgebern über unsere Gehälter, Arbeitszeiten oder Urlaubstage. Eine Pflegekammer kann da nichts ausrichten.

Auch in kirchlichen Krankenhäusern oder Altenheimen, die mit ver.di keine Tarifverträge abschließen wollen, bekommen wir nur dann mehr Geld, wenn die Tarifverhandlungen für den öffentlichen Dienst abgeschlossen sind und die kirchlichen Gremien die Ergebnisse übernehmen. Eine Pflegekammer hilft dabei überhaupt nicht.

Eine Pflegekammer wird nie Einkommen und Arbeitsbedingungen regeln. Auch bei Fragen zum Tarifrecht dürfen Pflegekammern nicht beraten. Sie haben gesetzlich festgelegte Aufgaben. Dazu gehört der Erlass einer Berufsordnung, in der u.a. geregelt wird, an welchen Fortbildungen die Pflegefachkräfte teilnehmen müssen.

Für Freiwilligkeit – gegen Zwang
Uns ist Freiwilligkeit ganz wichtig. Wir wollen, dass niemand zu einer Mitgliedschaft gezwungen werden kann. Auch dann nicht, wenn es nichts kosten würde. In einer Pflegekammer aber muss jede Pflegefachkraft Mitglied werden und Beitrag bezahlen. Bei Vollzeitbeschäftigung wären das derzeit 10 Euro monatlich.

Allein aus diesen beiden Gründen, Zwang zur Mitgliedschaft und Pflichtbeiträge, lehnen wir eine Pflegekammer ab.

Wer für uns spricht – entscheiden wir
Es entspricht nicht unserem Demokratieverständnis, dass eine Institution nur dann für die Pflege sprechen kann, wenn auch alle Pflegefachkräfte Mitglieder sind.

Wir sind sehr wohl der Meinung, dass ver.di für uns Pflegekräfte Politik machen kann und soll, auch wenn wir weit davon entfernt sind, alle Pflegekräfte organisiert zu haben. Für uns hat eine Kammer, in der man Mitglied werden muss, nicht mehr Legitimation für die Pflege zu sprechen als ver.di.

Als Gewerkschaftsmitglieder haben wir Einfluss auf Positionen zu Fragen der Pflege. Wir sind die Expertinnen und Experten, wenn es um die Neuregelung der Berufsausbildung geht. Wir bestimmen die Haltung in unserer Gewerkschaft zur Hochschulausbildung der Pflege und auch zur Pflegekammer.

Veränderungen setzen Engagement voraus
Über Arbeitskreise, Gremien, Vorstände und Konferenzen tragen wir zur Meinungsbildung in unserer Organisation bei. Gemeinsam mit allen Beschäftigten streiten wir für mehr Personal in Krankenhäusern, psychiatrischen Kliniken und in der Altenpflege.

Stellungnahmen, Konferenzen und Resolutionen, die mehr Personal einfordern sind wichtig. Sie reichen aber nicht aus, damit unsere Abgeordneten sich dieses Themas – jenseits von Sonntagsreden – annehmen. Dazu brauchen wir die Bereitschaft der Beschäftigten, allen voran der Pflege, bei Aktionen von ver.di mitzumachen. Die Politik wird das Personalproblem für uns nur lösen, wenn wir durch unser Engagement berzeugen.